Wildnispädagogik

There is no wi-fi in the forest but I promise 
you will find a better connection
 - Author unknown -
 

Was ist Wildnispädagogik?

So wie alle Naturvölker, alle Jäger- und Sammlerkulturen waren auch wir ganz früher auf eine unvorstellbar tiefe und vielschichtige Weise mit der Natur vertraut. Nicht nur mit unserem Verstand, sondern auch mit unserem Gefühl und unseren Instinkten. Im Laufe der Zeit ist uns all dieses fremd geworden. Wissenschaftler sprechen heutzutage von einem Natur-Defizit-Syndrom. Zusammengefasst eine zunehmende Entfremdung der Natur und die sich daraus ergebenden negativen Folgen für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Doch für eine gesunde individuelle Entwicklung sind neben Sozialkontakten vor allem eine ausgewogene Ernährung, genügend Schlaf sowie Naturkontakte von grosser Bedeutung.

Die wohl auch in Deutschland bekanntesten Lehrer dieser „Wilderness Education“ sind Tom Brown Jr. und Jon Young (Buch:“Coyote Guide“). Tom Brown wurde im Alter von 12 Jahren von Stalking Wolf, einem Apachen Indianer, in die „Lehre“ genommen. Er brachte ihm über viele Jahre hinweg Wildniswissen bei. Tom Brown kann in den Vereinigten Staaten mittlerweile als einer der berühmtesten Fährtenleser bezeichnet werden und gibt sein Wissen in der von ihm gegründeten „Tracking School“ weiter. Jon Young war sein erster Schüler. Er vereint das Wissen der Ureinwohner Nordamerikas mit dem anderer Naturvölker auf der ganzen Welt, denn einer seiner weiteren wichtigen Lehrer war Ingwe, ein Ältester, der im afrikanischen Busch aufgewachsen war.

Wer kann daran teilnehmen?

Kinder und Jugendliche, die neugierig und naturverbunden sind, die den intensiven Zugang zur Natur suchen und sie auf ganz besondere Weise entdecken möchten. Kinder und Jugendliche, die Lust haben ihre innere Einstellung zu verändern und nicht mehr gegen die Natur sondern mit der Natur und der Umwelt zu leben. Wir kennen alle die Sätze, „es ist zu kalt, zu heiß, es regnet, es schneit, draussen stürmt es“. Wenn wir anfangen diese Dinge als Ereignis zu sehen, welche spannend sind und die es zu erkunden gilt, haben wir einen grossen Schritt gemacht zurück zu unseren Wurzeln. Regenkleidung an und raus an die frische Luft.

„Um zu gesunden (...) heranzuwachsen 
und auch so zu bleiben,
brauchen wir genügend Zeit, in der wir 
mit der „wilden“ Natur interagieren 
und spielen, in ihr neugierig, wachsam 
und lebendig sein können 
und dabei entdecken, 
wie wir dort hineinpassen 
und wie wir mit unserer biologischen Welt verbunden sind“ 
(Jon Young et al. 2010).


Warum kann ein wildnispädagogisches Angebot meinem Kind gut tun?

In der Wildnis-Pädagogik wird die Tatsache, dass jede und jeder Einzelne unterschiedliche Interessen, Neigungen und Fähigkeiten besitzt und sich in verschiedenen Bereichen „auskennt“, wahrgenommen und wertgeschätzt. Das trägt dazu bei, die eigenen Potentiale zu erkennen und neue Fähigkeiten zu erlernen. Gleichzeitig wird auch das eigene Selbstbewusstsein, die eigene Selbstachtung und Selbstwahrnehmung gestärkt. Außerdem wird jede und jeder dazu ermutigt, selber Lehrer zu sein und das erworbene Wissen und die eigenen Fähigkeiten an andere weiterzugeben. Es ist ein System, was uns wieder näher mit der Natur verbindet, alte Urinstinkte wieder erwachen lässt und uns hilft das Leben, den Alltag und unsere persönliche Umwelt besser zu verstehen.

Ziel der Wildnispädagogik ist:

  • Die Förderung von Achtsamkeit gegenüber dem Leben, einem Verständnis für die komplexen Zusammenhänge in der Natur und das Entwickeln einer Verbundenheit zwischen Mensch und Natur, aber auch zwischen Mensch und Mensch
  • Methoden und Techniken zu vermitteln die helfen, kreativ mit der Angst vor Wildnis umzugehen, indem aufs Neue eine Verbindung mit der Natur hergestellt wird.
  • Raum dafür zu schaffen, in dem Unsicherheiten und Ängste und eigene Themen ausgesprochen werden dürfen.
  • Eigene Grenzen zu erkennen und diese in einem sicheren Rahmen auszuweiten
  • Zu lernen, sich „draußen“ wieder wohl zu fühlen, es sich gemütlich, bequem und kuschelig zu machen und das möglichst ohne Hilfsmittel und zu jeder Jahreszeit.
  • Wieder in seinem eigenen natürlichen Umfeld heimisch zu werden.
  • Ein tiefgreifendes Verständnis für die uns umgebene Natur wiederzuentdecken – ein Verständnis, wie es viele Ureinwohner auch heute noch weltweit besitzen. Um dieses zu erreichen, muss man gewisse Fähigkeiten und Fertigkeiten des Überlebens besitzen und sich zudem gut auskennen
  • Den Kindern und Jugendlichen zu helfen, eigene Ressourcen zu erkennen und neue Fähigkeiten zu erlangen

Was genau erwartet einem in einem Wildnispädagogik-Angebot?

Wir erlernen Fähigkeiten und Fertigkeiten für das Leben und Überleben in der Wildnis:

  • Tier- und Fährtenkunde
  • Vögel und das natürliche Alarmsystem
  • Pflanzen und deren vielfältige Verwendung
  • Natürliche Gefahren und Wetterkunde
  • Bäume, Holz und deren Nutzung (Feuer machen, Hütten bauen, schnitzen)
  • Ökologie, Gemeinschaft und Verantwortung
  • Wissen traditioneller Völker (Geschichten erzählen, das Eingebundensein in die Natur, Respekt gegenüber allen Lebenwesen, Momente dee Stille, Dankbarkeit)

Neben Spaß und Abenteuern werden die Kinder und Jugendlichen in folgenden Bereichen gefordert und gefördert:

  • Teamwork
  • Kommunikation,
  • Aufmerksamkeit,
  • Dankbarkeit,
  • Geduld,
  • gesunder Menschenverstand,
  • Selbstvertrauen,
  • Respekt gegenüber uns selbst, den Anderen und der Natur

Wir werden 2018 eine Wildnis Gruppe “Die Moorfüchse” gründen und auf dem Hof, sowie im angrenzenden Gelände rund um OHZ anbieten. Einmal im Monat wird es einen ganzen Tag „raus“ in die Natur gehen. Seid mit dabei und erkundet mit uns die Geheimnisse der Wildnis.

 „Die Alten wussten, dass das Herz eines Menschen, 
der sich der Natur entfremdet, hart wird. 
Sie wussten, dass mangelnde Ehrfurcht, Wertschätzung 
von allem Lebendigen und allem, 
was da wächst, bald auch die Ehrfurcht 
und Wertschätzung vor den Menschen absterben lässt. 
Deshalb war der Einfluss der Natur, der die jungen Menschen 
feinfühlig machte, 
ein wichtiger Bestandteil ihrer Erziehung.“
Luther Standing Bear, Lakota Indianer, 1868 – 1939

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