Reitpädagogik

What if I fall? Oh darling... What if you fly?    
- Erin Hanson -

Was bedeutet “Reitpädagogik”?

Darunter verstehen wir ein Angebot, in dem unsere Klienten in einer ruhigen, sicheren und altersgerechten Atmosphäre, in einem pädagogisch wertvollen Rahmen die Welt der Pferde entdecken können.

  • In Einzelstunden oder in Zweiergruppen bleibt in langen Einheiten von 90-120 Minuten viel Zeit für persönliche Ansprache, Raum für eigene Ideen, Themen und natürlich auch für individuelle Wünsche.
  • Wir legen Wert darauf, dass im Unterricht kein Leistungsdruck entsteht. Natürlich werden die Kinder und Jugendlichen in einem vertretbaren Rahmen gefordert, aber sie bestimmen mit wieviel ihnen gut tut. Wenn die Schule gerade immer mehr Leistung fordert, freuen sich die Schüler manchmal mehr über einen entspannten Ausritt als über eine anspruchsvolle Dressurstunde
  • Zudem legen wir viel Wert auf ein wertschätzendes soziales Miteinander. Es wird allein und in der Gruppe gelernt, wie Wünsche und Bedürfnisse formuliert werden. Auch Meinungsverschiedenheiten und Streitigkeiten werden gemeinsam gelöst. Es wird gelernt Rücksicht auf Ängste oder Unsicherheiten zu nehmen. Wir geben genug Raum dafür und ermutigen dazu eigene Grenzen zu benennen und sich nicht dafür zu schämen. Insgesamt achten wir auf einen Betreuungsschlüsssel von höchstens 1:2, damit dies ermöglicht werden kann.

Wer kann daran teilnehmen?

Reitpädagogik ist ein Angebot für Kinder und Jugendliche, die alleine oder zusammen mit anderen ihre Freizeit mit Pferden in der Natur verbringen und natürlich das Reiten und Vieles mehr rund ums Pferd erlernen möchten. Zudem für Eltern, die ihre Kinder in einem fachlich fundierten und pädagogisch wertvollen Rahmen aufgehoben wissen möchten, in dem qualitativ guter Unterricht vermittelt und auf viel Raum für individuelle Ansprache und Befindlichkeit geachtet wird.

Wie wird der Unterricht gestaltet?

Kinder und Jugendliche werden daher mit viel Zeit und ohne Druck an die Ponys heran geführt. Die Reitschüler erlernen natürlich alles, was dazu gehört. Gemeinsam wird das Pony vom Paddock oder der Weide geholt, angebunden und in aller Ruhe geputzt. Dabei erlernen sie den richtigen Umgang mit den Vierbeinern und deren Körpersprache. Das Pferd wird relativ lang angebunden. Reaktionen der Pferde sind absolut erwünscht, nur so hat man Einblick in deren Grundstimmung. Darafhin folgt die von uns vorbereitete Unterrichtseinheit, ergänzt durch Ideen und Wünsche der Reitschüler. Im Anschluss daran wird das Pferd natürlich auch versorgt und gefüttert, um es anschließend wieder zu seinen Freunden in die Herde zu verabschieden.

Neben der Reittechnik beinhalten die Unterrichtseinheiten Elemente der Führ- und Bodenarbeit, wie Zirkuslektionen, Verladetraining, Natural Horsemanship, Freiarbeit uvm. Es werden zudem regelmäßig auch theoretische Kenntnisse vermittelt. Manchmal kann die Arbeit des Hufschmieds beobachtet werden. Wir legen Wert auf Abwechslung was die Themen des Unterrichts betrifft. Dieser soll für Reitschüler und Pferd in erster Linie Freunde bereiten. Und das Reiten ist nur eine von vielen wunderschönen Beschäftigungen, die man gemeinsam mit Pferden erleben kann. Elementar ist bei allem die Vermittlung eines partnerschaftlichen und angstfreien Umgangs mit dem Lebewesen Pferd. Wir sehen die Pferde in erster Linie als Individuum mit eigenen Bedürfnissen, nicht nur als “Reitpferd”. Sie sind keine Maschine, die tagtäglich funktionieren muss. Auch sie haben mal einen schlechten Tag oder sind krank, auch das gilt es zu respektieren und das Beste aus der Situation zu machen. Und es kann sehr spannend sein, ein krankes Pony zu umsorgen und zu erfahren was man tun kann, damit es ihm schnell besser geht.

Es gibt Reitschüler, die können nicht früh genug damit beginnen, in allen drei Grundgangarten zu reiten, ihre Reittechnik zu verfeinern oder die ersten kleinen Sprünge zu bewältigen.

Andere Kinder entdecken erst hier, wie viel Spaß es auch noch mit 11 Jahren machen kann zusammen mit den Ponys spannende Phantasiereisen zu unternehmen, auf dem Pferderücken Reiterspiele zu spielen, zu turnen oder einfach mal die Augen zu schließen, sich tragen zu lassen, die Natur mit ihren Stimmen und Gerüchen wahrzunehmen und die Sonne, den Wind oder den Regen auf der Haut zu spüren, anstatt sich mit Zügelhilfen und dem Reitersitz zu beschäftigen.

Bei wieder anderen Schülern geht es etwas langsamer voran. Ängste müssen ab- und Vertrauen aufgebaut werden. Da ist das Reiten erst einmal sekundär und vielleicht verbringen wir stattdessen die ersten Unterrichtsstunden in der Heuraufe oder auf der Weide um die Herde zu beobachten und deren Körpersprache zu verstehen. Oder das Einkuscheln in die dicken Isländermähnen, Zöpfe flechten und Schmücken des Pferdes mit bunten Bändern und Blüten ist genau das richtige um sich langsam den anzunähern.

Reitpädagogik ist für viele der perfekte Ausgleich zur stressigen Schule und anderen leistungsorientierten Hobbies. Manchmal kollidieren genau da die Wünsche und Bedürfnisse der Eltern mit denen der Reitschüler oder mit unseren Vorstellungen. Wir haben in unserem Konzept nicht den Anspruch Reitsport zu betreiben. Unsere Reitschüler werden weder größere Reitabzeichen absolvieren, noch auf Turniere vorbereitet. Konkurrenzdenken und Leistung gibt es unserer Ansicht nach in ausreichend anderen Lebensbereichen. Sollten Reitschüler oder deren Eltern generell oder im Verlauf der Zeit die o.g. Ziele verfolgen, ist unser Betrieb nicht die richtige Wahl.

Verbringt mein Kind in der Reitpädagogik ausreichend Zeit auf dem Pferd?

Eine Fragestellung, die uns immer wieder begegnet. Der Unterricht und der Umgang mit den Pferden verlangt ein hohes Maß an Konzentrationsfähigkeit. 90-120 Minuten sind eine lange Zeit – zu lange um sich durchgehend zu konzentrieren. Wir denken, dass ein qualitativ hochwertiges Angebot nicht dadurch bemessen werden darf, wie lange das Kind auf dem Pferd sitzt, ganz im Gegenteil. In der Reitpädagogik wissen wir, dass es unsere Verantwortung ist, dem Reitschüler und dem Pferd in seiner Entwicklung und Konzentrationsfähigkeit gerecht zu werden.

Die Konzentrationsdauer beträgt bei Kindern und Jugendlichen zwischen

  • 5-7 Jahren durchschnittlich bis zu 15 Minuten
  • 7-10 Jahren bis zu 20 Minuten
  • 10-12 Jahren bis zu 25 Minuten
  • 12-16 Jahren etwa 30 Minuten am Stück

Eine zu lange fokussierte Zeit kann schlimmstenfalls zu Lasten der Sicherheit gehen oder zu einer Überforderung führen. Wir sind bemüht Reitunfälle zu vermeiden. Der Unterricht wird daher – je nach Alter –  durch folgende Elemente bereichert, so dass die Reitschüler sich nach Phasen der Konzentration entspannen und auch mal “wegträumen” können:

  • Wir bieten einen attraktiven Außenbereich mit vielen Tieren, in dem sich die Kinder Auszeiten nehmen können
  • Wir reduzieren weitestgehend äußere Ablenkungen und Reize
  • Wir und die Reitschüler führen viel Smalltalk miteinander
  • Wir tauchen ein in Phantasiespiele mit den Pferden
  • Wir beziehen umstehende Kinder mit ein
  • Wir spielen Spiele mit einem hohen Aufforderungscharakter
  • Wir passen die Spiele so an, dass jedes einzelne Kind angesprochen und Erfolgserlebnisse erfährt
  • Wir setzen Materialien ein, die alle Sinne ansprechen
  • Wir passen die Ponyanzahl dem Alter, der Gruppengröße und der Konzentrationsfähigkeit der Kinder an
  • Wir schaffen feste Rituale, die Sicherheit bieten und dazu führen, dass die Konzentrationsfähigkeit gebündelt verläuft

Lernt mein Kind  in der Reitpädagogik auch “richtig” reiten?

Ja, natürlich. Durch den Einzelunterricht oder die Zweiergruppen vielleicht sogar intensiver, da die Möglichkeit besteht, jeden Schüler deutlich mehr im Blick zu behalten, anzusprechen und zu korrigieren. Auf Fragen kann viel eher reagiert werden.

Warum darf mein Kind nicht gleich mit Zügeln und Trense reiten?

Unserer Pferde sind, wie jedes andere Pferd auch, sehr sensibel und empfindlich im Maul. Abgestumpfte Pferde sind oft im Schulbetrieben anzutreffen und sollten ein Alarmsignal sein, was zu denken geben sollte und wovon wir uns deutlich abgrenzen wollen. Um uns diese Sensibilität zu erhalten, werden unsere Schüler erst sehr langsam an das Reiten mit Trense und Gebiss heran geführt. Vorab steht das Erlernen eines zügelunabhängigen und ausbalancierten Sitzes, was je nach Schüler unterschiedlich viel Zeit benötigt. Denn Zügel sind definitiv nicht zum Festhalten, noch zum Anhalten und Lenken eines Pferdes da. Das können unsere Pferde gänzlich ohne.

Warum kann “Reitpädagogik” gut tun?

  • Kinder und Jugendliche kommen raus an die frische Luft, kommen ins Tun, in eine aktive wirkliche Welt, die nicht nur durch Computer und Fernseher geprägt ist
  • Der Umgang mit den großen Tieren führt bei den meisten Kindern und Jugendlichen zu einem gesteigerten Selbstwertgefühl und zu mehr Selbstvertrauen. Positive (Erfolgs-) Erlebnisse spielen dabei eine ganz besondere Rolle. Es werden Situationen gemeistert, die man sich zunächst nicht zugetraut hätte. Das wiederum überträgt sich in vielen Fällen auf den Alltag: Kinder und Jugendliche trauen sich im Alltag mehr zu und lernen ungewohnte oder einschüchternde Situationen besser zu meistern.
  • Oft werden neue Freundschaften geknüpft. Durch viele gemeinsame Unternehmungen, Ferienpogramme, Aktionstage entsteht ein großes Zusammengehörigkeitsgefühl untereinander. Jeder wird so wertgeschätzt wie er ist und von allen getragen.
  • Im Kontakt mit anderen Kindern und Jugendlichen wird die Sozialkompetenz gestärkt. Dinge werden besprochen, ausgehandelt, jeder lernt auf sich zu achten und für sich zu sorgen, aber auch auf das Gegenüber zu achten
  • Es wird gelernt anderen zu helfen und sich selbst helfen zu lassen
  • Pferde sind wie ein Spiegel. Es kommt zwangsläufig zum Kontakt und zum Umgang mit den eigenen Gefühlen
  • Ängste können erkannt, verstanden und Schritt für Schritt überwunden werden
  • Im Umgang mit den Pferden entwickelt sich meistens ein Verantwortungsgefühl, für sich, für andere, für das Tier. Kinder und Jugendliche werden umsichtiger

Mein Kind möchte reiten lernen. Ich frage mich, ob das Angebot bei Ihnen das richtige ist?

Es kommt auf Ihr Bauchgefühl und das Ihres Kindes an. Man kann dort am besten lernen, wo man sich wohl fühlt. Schreiben Sie uns eine Email und verabreden einen ersten Kennenlerntermin. Das geht meistens schon in den nächsten Tagen. Dann haben Sie die Möglichkeit an einem der Unterrichtstage vorbei zu schauen und sich alles anzusehen. Wir vereinbaren dann einen Schnuppertermin, bei dem Sie und Ihr Kind uns, die Pferde und den Unterricht in aller Ruhe beschnuppern und ausprobieren können.

Die Sache mit der Warteliste:

Da wir unseren Betrieb nebenberuflich in einem kleinen Rahmen führen und zudem nur Einzelstunden, bzw. Zweiergruppen anbieten, sind unsere Plätze verständlicherweise begrenzt. Viele unserer Reitschüler begleiten wir schon über 10 Jahre, insgesamt haben wir daher wenig Fluktuation. Aber machmal kann es sein, dass durch Umzug oder Schulwechsel ein freier Platz entsteht. Dann überlegen vorab wir, welches Kind vom Temperament, Alter und Können als neuer Partner passend wäre und damit nachrücken könnte. Aber schlussendlich entscheidet dann der Schnuppertermin der beiden über gegenseitige Sympathie. Daher gibt es bei uns keine “Wartelisten-Reihenfolge”, sondern wir schauen individuell.

Senden Sie uns dafür eine Email über das Kontaktformular, meistens klappt ein erster Termin schon in der nächsten Woche.

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